Behandlung 2017-03-13T15:32:04+00:00

Behandlung

Zur Behandlung der HIV-Infektion stehen heutzutage eine Reihe von verschiedenen Medikamenten zur Verfügung.

Die mittlerweile erfolgreiche Behandlung hat dazu geführt, dass dort, wo diese Medikamentenkombinationen verfügbar sind, d.h. vor allem in westlichen Industrienationen, sehr viel weniger Menschen mit HIV/AIDS neue opportunistische Erkrankungen erleiden und an den Folgen der HIV-Infektion sterben.

Heilung, in dem Sinne, dass die Medikamente das Virus vollständig zum Verschwinden bringen würden, kann mit der Therapie bis heute jedoch nicht erreicht werden! Allerdings kann das Fortschreiten der Erkrankung zu AIDS und Tod wirksam aufgehalten werden.

Die Behandlung der HIV-Infektion wird als antiretrovirale Therapie oder auch ART bezeichnet. Sie zielt darauf ab, durch eine Hemmung der Virusvermehrung das Immunsystem vor dem fortgesetzten Angriff durch das Virus zu schützen.

Es gehen dann keine Helferzellen mehr zugrunde und funktionsfähige Zellen können nachwachsen. So kann verhindert werden, dass das Immunsystem immer schwächer wird und schließlich opportunistische Erkrankungen auftreten.

Das Ziel der antiretroviralen Therapie ist dabei, zunächst die Virusvermehrung so stark zu unterdrücken, dass die Viruslast nicht mehr gemessen werden kann. Die Viruslast liegt dann also unter der Nachweisgrenze. Je besser und je länger die Viruslast so unterdrückt wird, desto besser kann sich das Immunsystem erholen, da keine neuen Viren mehr gebildet werden können, die die Abwehrzellen befallen und absterben lassen.

Die zurzeit verfügbaren antiretroviralen Medikamente greifen in den Vermehrungszyklus von HIV ein und unterbrechen ihn.

Nach ihren Angriffspunkten und ihrem Wirkmechanismus können die einzelnen Substanzen in verschiedene Klassen eingeteilt werden:

· Reverse Transkriptase-Inhibitoren (NRTI und NtRTI) blockieren das Umschreiben der Virus- RNA in DNA. Sie sind den DNA-Bausteinen, den Nukleinsäuren, sehr ähnlich, aber nicht identisch, weshalb sie auch Nukleosidanaloga (analog = ähnlich/entsprechend) genannt werden.

· Auch nicht-nukleosidale reverse Transkriptase- Inhibitoren (NNRTI) hemmen die Umwandlung von Virus-RNA in DNA. Sie haben aber eine andere chemische Struktur.

· Protease-Inhibitoren (PI) haben dagegen einen anderen Angriffspunkt. Sie verhindern, dass die in der Zelle gebildeten Virusbestandteile zusammengesetzt werden können.

· Fusions-Inhibitoren (FI) und CCR5-Rezeptoren-Blocker greifen schon dort an, wo sich das Virus an eine Zielzelle anlagert und in sie eindringen will.

Integrase-Inhibitoren (ITI) verhindern, dass sich das Virus in die menschliche Erbsubstanz einbauen kann.

Die Geschichte der HIV-Therapie hat gelehrt, dass Behandlungen mit einzelnen Substanzen nicht geeignet sind, die Virusvermehrung nachhaltig zu unterdrücken und damit dauerhaft zu einer Verbesserung der Immunfunktion und zu einem Stillstand des Krankheitsverlaufs zu führen.

Kombinationen mehrerer, meist mindestens dreier Medikamente sind deshalb der Standard, seit entsprechende Substanzen zur Verfügung stehen. Die Auswahl unterschiedlicher Kombinationen von Medikamenten für die ART ist dabei von vielen verschiedenen Faktoren abhängig.

Solche Faktoren sind beispielsweise

· Krankheitsstadium

· Begleiterkrankungen (z.B. Tuberkulose, Hepatitis)

· Weitere Medikamente, die eingenommen werden müssen

· Persönliche Lebensumstände

· Evtl. Resistenzen

Es gibt nicht die eine für alle PatientInnen gute Lösung, sondern für jede und jeden muss eine gute Lösung gefunden werden, die dann auch schon mal vom Standard abweichen kann. Folgende Kombinationen werden für die erste Therapie (=Initialtherapie) empfohlen:

1. zwei verschiedene NRTI + ein NNRTI

2. zwei verschiedene NRTI + ein PI (geboostert)

3. zwei verschiedene NRTI + ein ITI

Wenn man HIV-positiv ist, bedeutet das noch nicht, dass unbedingt sofort eine Behandlung mit Medikamenten durchgeführt werden muss. Ob eine Behandlung erforderlich ist oder nicht, wird ebenfalls aufgrund einer Reihe verschiedener Faktoren entschieden. Dazu gehören beispielsweise die Werte für Helferzellen und Viruslast, der bisherige Verlauf der Erkrankung oder andere Erkrankungen (z.B. Pilzinfektionen, Hepatitis). Insgesamt wird heute aber eher großzügig zum Beginn einer Therapie geraten, weil der Nutzen der HIV-Medikamente vermutlich auch langfristig mögliche Risiken deutlich überwiegt.

Für die Beurteilung all dieser Faktoren und die Auswahl der „richtigen“ Medikamente ist viel Erfahrung in der Betreuung und Behandlung HIV-infizierter Menschen erforderlich.

Es erscheint deshalb sinnvoll, sich über den Verlauf der Infektion und insbesondere das Für und Wider eines Therapiebeginns im Einzelfall mit einer Ärztin/einem Arzt zu beraten, die/der Erfahrung in der Behandlung HIV-Infizierter hat.

Dies gilt in besonderem Maße für Patienten, die bereits mit Medikamenten behandelt werden und bei denen die aktuelle Therapie nicht mehr richtig funktioniert (d.h. die Therapie versagt).

Patienten, die mit HIV-Medikamenten behandelt werden, werden regelmäßig untersucht, um die Behandlung zu überwachen und auch andere Gesundheitsstörungen rechtzeitig zu erkennen.

In der Broschüre „HIV-Therapie – Antiretrovirale Therapiestrategien“ der AIDS-Hilfe Köln sind zahlreiche Details genauer erklärt als es hier möglich ist. Diese Broschüre kann unter

www.hiv-med-info.de heruntergeladen werden.

Dort finden sich auch genaue Angaben zu den einzelnen Medikamenten, die zur Behandlung der HIV-Infektion zur Verfügung stehen.


Priv.-Doz. Dr. med. Jan-Christian Wasmuth

Universitätsklinik Bonn

Stand: September 2012